Ergotherapie

Ergotherapie unterstützt Kinder und Jugendliche dabei, ihren Alltag selbstbestimmt zu gestalten und an den Betätigungen teilzuhaben, die ihnen wichtig sind. Dabei werden unter anderem die körperlichen, emotionalen und sozialen Fähigkeiten des Kindes ebenso wie das Umfeld in Familie, Kita und Schule berücksichtigt mit dem Ziel, Selbstständigkeit, Selbstvertrauen und die Freude am eigenen Tun zu stärken.
Im Mittelpunkt der Ergotherapie steht die Betätigung. Damit ist alles gemeint, was Kinder und Jugendliche im Alltag tun und was ihnen etwas bedeutet. Das können alltägliche Dinge sein wie sich anziehen, lernen, Freund*innen treffen, aber auch ganz persönliche Anliegen, wie eine Spielkran mit einer Fernbedienung zu steuern oder tauchen können.

Kinder tragen oft intuitiv in sich, was für sie richtig ist. Ziel der Ergotherapie ist es, Kinder auf der Basis einer vertrauensvollen Beziehung dabei zu begleiten, sich durch eigenes Tun so kennenzulernen, dass sie zu Expert*innen für sich selbst werden: zu spüren, was sie brauchen, was ihnen guttut und dafür einzustehen. Grundlage dafür ist ein zugewandter Raum, in dem Kinder sich gesehen fühlen und „sein“ dürfen. Aktivitäten, in denen sich Kinder sicher und kompetent erleben, werden genutzt, um Stärken und Strategien sichtbar zu machen und auf neue Anforderungen zu übertragen. Kindern wird zugetraut, mit Rückschlägen und Herausforderungen umzugehen und ihren eigenen Umgang damit zu finden.Da der Alltag vieler Familien bereits sehr gefüllt ist, gehört es auch zur Ergotherapie, gemeinsam mit den Eltern zu schauen, was das gesamte System braucht, damit der Übertrag des Gelernten in den Alltag gelingen kann.

Für wen ist Ergotherapie sinnvoll
Ergotherapie begleitet Menschen in jedem Alter. Ich arbeite vor allem mit Kindern und Jugendlichen und ihren Familien. Familie ist vielfältig. Bei uns sind alle willkommen, die ein Kind im Alltag begleiten, ob Eltern, Großeltern, Pflegefamilien, Geschwister oder andere nahestehende Menschen.
Zum Beispiel, wenn:
– Anziehen, Essen oder andere alltägliche Aufgaben viel Kraft kosten
– Greifen, Sitzen, Gleichgewicht oder Koordination schwerfallen
– Stift, Schere oder Besteck schwer zu handhaben sind
– Geräusche, Berührungen, soziale Kontakte schnell zu viel sind
– Starke Gefühle, Wutausbrüche oder Rückzug den Alltag beeinflussen
– die bewusste Steuerung der Konzentration in Kita oder Schule schwerfällt
– Ihr Kind sich wenig zutraut, schnell aufgibt oder sich viel mit anderen vergleicht
– es Ihrem Kind schwerfällt, mit anderen Kindern in Kontakt zu kommen, zum Beispiel beim gemeinsamen Spielen in der Pause

Mögliche Diagnosen
Ergotherapie kann zum Beispiel begleiten bei:
– Entwicklungsverzögerungen
– Zerebralparese und anderen neurologischen Bewegungsstörungen
– Besonderheiten des Muskeltonus
– Down-Syndrom und anderen genetischen Syndromen
– Wahrnehmungs- und Verarbeitungsbesonderheiten
– Schwierigkeiten bei Koordination und Feinmotorik
– ADHS, Autismus-Spektrum und weitere Neurodivergenzen
– Regulations- und Verhaltensbesonderheiten
– Folgen von Frühgeburt oder Hirnschädigung

Der Ablauf
1. Kennenlernen: Im Erstgespräch sprechen wir zunächst ohne Ihr Kind über Anliegen, Interessen, den bisherigen Alltag, Stärken, Sorgen und Wünsche. So können Sie offen erzählen, was Sie beschäftigt. Ihr Kind lernt uns danach kennen. Im Fokus steht ein vertrauensvoller Beziehungsaufbau.
2. Gemeinsam Ziele finden: Gespräche, Beobachtungen und ergänzend Tests und Fragebögen zeigen, was im Alltag schon gut klappt und was herausfordernd ist. Daraus entstehen gemeinsame Ziele.
3. Im Tun lernen: Ihr Kind probiert aus, übt und entdeckt eigene Wege. Wir entwickeln gemeinsam Strategien, die zu den individuellen Bedürfnissen Ihres Kindes und zu Ihnen als Familie passen und erarbeiten im engen Austausch, wie diese beispielsweise nach Hause, in die Kita oder die Schule übertragen werden können.
4. Zurückschauen und anpassen: Gemeinsam prüfen wir, was erreicht ist, welche Bereiche im Fokus liegen sollen und passen Pläne bei Bedarf an.

Therapieansätze und Methoden
Ergotherapie ist keine feste Methode, sondern ein passender Weg für jedes Kind. Das tun wir im Alltag:
– Bedeutungsvolles Tun: Wir üben in Aktivitäten, die für Ihr Kind wichtig sind, zum Beispiel spielen, anziehen oder basteln.
– Fähigkeiten aufbauen: Wir unterstützen Ihr Kind dabei, neue Fertigkeiten zu entwickeln oder wiederzugewinnen.
– Anpassen: Wir verändern Aufgaben, Abläufe oder Umfeld und beraten zu Hilfsmitteln, damit Alltag gelingt.
– Beraten und anleiten: Wir begleiten Familie, Kita und Schule mit Wissen und Ideen, die machbar sind.
– Vorbeugen und stärken: Wir entwickeln gemeinsam Strategien, die Überlastung vermeiden und Sicherheit geben.